Testung durch:
"L´ATELIER"
Dr. Lorenzo Morelli
Food stylist & Food director

Gasthof ZUR LINDE
ST. VALENTIN A - 4300
Tel.: 07435 / 52319
Fam. PILLGRAB
allein

Die Linde in St. Valentin erinnert ein wenig an alte famose Hotelrestaurants, wie man sie noch aus Schwarzweissfilmen kennt und gehört somit auch zum glanzvollen Prototyp der traditionsreichen Brasserie, noch mit dem leichten Touch eines Jagdschlosses und dem gediegenen Charme einer gastronomischen Bourgeoisie. Also eine selten gemütliche und auch selten gastronomische Spezies und darüber freuen wir uns auch sehr!!

In diesem Stil also die schönen eleganten grün-gelb-roten Vorhängen, die cremefarbigen Wände, gefüllt mit alten Kupferstichen, alten nostalgischen Bildern und Aquarellen von St. Valentin, als hier noch Pferdekutschen auf unbefestigten Wegen verkehrten, eingefaßt in goldene Rahmen, Holzlamperie, Kerzen und blass fragile Rosen, sowie mit dem schwarz politierten Klavier in der Mitte, an welchem der Chef immer wieder nach dem Service Platz nimmt und spielt.
Wunderbar übrigens auch die normale jazzige Hotellounge - Klavierbegleitung aus der Anlage, welche dem Essen eine ganz besonders gemütliche und dadurch auch sehr gastronomische Note verleiht.

Zu diesem erlesenen Flair passend also klassisch–schön die Speisekarte mit gehobenen gourmanden, traditionellen Klassikern vom Schulterscherzel, selbstgemachten eleganten Grammelknödeln mit warmem Krautsalat, glacierter Leber und Steak in Morchelsauce bis zum Fiakergulasch sowie recherchierte Gerichte mit einem frivolen Hauch Modernität, wie der Seeteufel mit Zitronengrassauce oder das inzwischen - für Kenner des Hauses - legendäre Entencarpaccio.

Also wie bereits erwähnt, hier inzwischen ein Muß: Das sehr aromatische Entencarpaccio mit Pinienkernpesto und gehobeltem Grana - am Gaumen mit fein abgestimmtem Kräuterduft, dazu, zwar nicht wirklich notwendig aber gut, der frisch-süßliche, cremige Gurkensalat 7,80. Eine gewiß, langgereifte Kreation, die man selten so gelungen bekommt und somit wirklich ein guter Grund von der Autobahn herunterzufahren um hier dieses seltene Schmankerl zu essen.

Sehr gelungen auch die Topinambur-Mostselchsuppe, die Süße dieser Knolle, dieser Sonnenblumenwurzel sozusagen, kombiniert mit der Würze vom Selchfleisch, angenehm dünnflüssig cremig, auch hier eine sehr überlegte, aufwendige und auf unübliche Perfektion gebrachte Kreation!!

In der Folge mürb, süß-würzig, die gebratenen Blunzenradln, welche einen wunderbaren animalisch-virilen Ton besitzen, dazu ein erfrischender, perfekter Erdäpfelkas, serviert auf einer warmen Scheibe Roter Rübe. Eine gelungene Symbiose!!

Wieder ein großer Klassiker: Der äußerst delikate gebackene Karpfen, das Fleisch nicht tranig, sondern frisch und wohlduftend, nicht fett, aber auch nicht trocken (und ohne Gräten!), serviert auf gutem viskösem Erdäpfel- Vogerlsalat.

Folgt ein weiterer Höhepunkt der klassischen Küche: Eine glacierte Kalbsleber, elastisch und perfekt rosa, serviert in einer guten Senfsauce mit Nockerl (auf unseren Wunsch als Tester stattdessen mit Gratin – dieses übrigens hervorragend - cremig und schön gratiniert) und Blattsalat.

Als Krönung heuer wieder ein Geschmortes Schulterscherzel kredenzt in einer Zwiebel-Rotweinsauce, besonders beglückend, die Sauce leicht dunkel, aber noch immer durchsichtig, leicht süß, ohne aggressiv zu sein, berauschend gut, dunkel ebenfalls der geschmorte Schulterscherzel-„Braten“, das Fleisch extrem mürb, angenehm gallertartig, dazu Butternudeln (schön al dente) und Salatteller.

Wir werden nicht müde zu sagen, daß es sich hier um ein Haus handelt, welches zweifellos einen höheren Bekanntheitsgrad verdienen würde! Wenn man hier gleich weit von Wien entfernt wäre, wie St Valentin von Linz, wäre das Haus fast jeden Abend voll. Aber offensichtlich hat das Linzer Publikum noch nicht entdeckt, daß man oft, um gut zu speisen ein wenig fahren sollte!